Zeichnungen 2009

Zerstreutes aus dem Jahr 2009

Gewucher – Plattendenken – Wabenich – Angriff – Verteidigung

Tusche, Multiliner, Schellack auf Papier

Durch die Akademie, Düsseldorf 2014

310:

aus dem Atelier, Tür auf, Tür zu, Schlüssel drehen (noch keine Transponder)

durch den langen Flur mit den Gipsskulpturen gehen, Tür zur Dachterasse ist offen,

(ich erinnere mich, es war bereits später Abend und dunkel draußen,

doch die Luft war mild…)

Wind und Rheinrauschen,

die Terassentüre öffnen, wieder in das Gebäude hinein,

Lüftung

die südliche Treppe hinunter, Alarm schrillt (Achtung die Akademie schließt)

durch den gesamten Gang der 2. Etage,

kaum Studenten zu hören,

die nördliche Treppen hinab zur ersten Etage,

durch den langen Gang,

entferntes Stimmengewirr,

entfernter Arbeitslärm,

südliche Treppe hinab ins Erdgeschoss,

der Schritt ist gleichmäßig, das Ziel ungewiss,

zweiter Alarm (Achtung die Akademie schließt nun wirklich!)

(da war es kurz vor 22:00 noch bevor wir alle Nachtschlüssel bekamen)

schnellen Schrittes durch das Erdgeschoß,

Tür auf,

in den Aufzug hinein,

mechanisches Rauschen, ein einziger Atemzug,

die Ankunft in der 3. Etage wird durch einen Alarmton signalisiert,

aus der Kabine in den Gang,

vorbei an der 310, hinaus auf die Dachterrasse,

diesmal fällt die Türe hinter mir deutlich hörbar ins Schloss,

im Freien,

atmen,

Türe auf, Türe zu Lüftungslärm,

südliche Treppe hinab, entfernte Arbeitsgeräusche und fröhliches Pfeifen

2. Etage,

1. Etage,

Erdgeschoss,

über den Flur zur Mitteltreppe,

in den Keller hinab,

Lüftungslärm,

Klotür auf,

Klotür zu,

Klotür versperrt,

Wasser lassen,

Spülung betätigen,

warten bis der Spülkasten wieder gefüllt ist,

Türe aufsperren, zum Waschbecken,

Wasser aufdrehen, Hände waschen, Wasser abdrehen,

Hände in Papiertuch trocknen (1 Stück)

hinaus auf die Mitteltreppe,

durch die 2. Hälfte des Erdgeschosses,

über die südliche Treppe hinauf ins Dachgeschoss,

Lüftungslärm, Terrassentüre, Freiheit,

Terrassentüre, durch den Gang mit den Gipsskulpturen,

über die kurze Treppe, zum Atelier 310,

Türe aufgesperrt, das Atelier betreten

Ende

 

 

 

CV

Benjamin Zanon

1981 in Lienz/Osttirol geboren.

Von 2001 bis 2004 studierte er Architektur an der technischen Universität in Wien, anschließend bis 2006 Philosophie an der Universität Wien. 2008 wechselte er nach Düsseldorf und begann dort das Studium der freien Kunst, Bildhauerei an der hiesigen Kunstakademie. Ab 2009 studierte er in der Klasse von Professor Richard Deacon, der ihn 2014 zum Meisterschüler ernannte. Im Februar 2015 schloss er das Studium mit dem Akademiebrief ab und übersiedelte dann nach Innsbruck, wo er seitdem lebt und arbeitet.

2013 erhielt Zanon das Stipendium für Bildhauerei des MFI Essen, 2014 das Atelierstipendium im Künstlerhaus Paliano, ausgeschrieben vom Kulturamt des Landes Tirol (gemeinsam mit dem zeitgenössischen Komponisten Daniel Oliver Moser). 2015 erhielt er den Ewald Mataré Förderpreis, vom Kulturverein Meerbusch. 2017 erhielt er den Förderpreis des Landes Tirol für zeitgenössische Kunst, bezog ein Atelier im Künstlerhaus Büchsenhausen und gestaltete einen 40 Seiten umfassenden Beitrag für das Quart, Heft für Kultur in Tirol (Ausgabe Nr.29). Seit April 2018 hat Zanon eine Stelle als Universitätsassistent am Studio 3 (Institut für experimentelle Architektur) an der Leopold-Franzens Universität Innsbruck. 2019 erhält er den Preis für Grafik des Bundeslandes Oberösterreich.

Arbeiten von Benjamin Zanon waren in Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik zu sehen.