Böhmerwald/Tagebuch 2012

 

 

Die Larven des Borkenkäfers hinterlassen markante Spuren zwischen der Rinde und dem Splintholz der Fichten. Ihre Gänge, Höhlen, die Linien die sie ziehen, die Punkte an denen sie ab- und auftauchen, erinnern an eine fremdländische Schrift.

„Buchdrucker“ erklärt mir Pavel, so nennt man die Unterart des Borkenkäfers, die im Bayrischen Wald und im Sumava Nationalpark in wenigen Jahren einen beeindruckenden wie bedrückenden Friedhof aus dem Fichtenwald gemacht hat. Ganze Waldstriche sind abgestorben, bleiche, überdimensionale Zahnstocher weisen zum Himmel, ehe sie nach vielen Jahren des tot da Stehens zusammenbrechen um am Boden vollends zersetzt zu werden.

Die gute Nachricht ist: Darunter wächst und gedeiht es, 10 neue kleine Fichten für eine alte, abgestorbene, befinden sich im stillen Kampf um den besten Platz an der Sonne.

Ich versuche zu entziffern, was in den Brutsystemen der Schädlinge zu lesen sein könnte. Vielleicht wollen sie uns ja nur eine Nachricht übermitteln, auf etwas dringliches hinweisen. Nur verstehen wir es nicht, auch nicht in millionenfacher Ausfertigung.

Meine eigene Handschrift wird dabei (bewusst) immer unleserlicher, ich kann selbst kaum noch entziffern was ich dieser Tage notiere. In der Mitte treffen sich beide Systeme, dort sitzt das Stundenglas und völlig gleichgültig verweist es auf das beständige Verstreichen der Zeit.